Drei Gedanken aus Star Trek für heute

Als alter Trekkie weiß ich ja im Prinzip schon seit X Jahren, wie es mit der Welt weitergeht...

Steve Jobs hat sich angeblich durch Star Trek zu seinem iPad inspirieren lassen und (sehenswert dazu, aber auch ansonsten, diese mitreißende Debatte zwischen Bill Gates und Steve Jobs aus dem Jahr 2007 https://www.youtube.com/watch?v=Sw8x7ASpRIY ). Auch unsere Smartphones sind nichts anderes als die kleinen Communicator, mit denen die Crew-Mitglieder miteinander in Kontakt bleiben, wenn mal wieder ein Außenteam auf einem Planeten mit merkwürdiger Strahlung landen muss, um nach dem Rechten zu sehen. Abseits vom Beamen ist ziemlich vieles so oder so ähnlich schon da: Das Kistchen, das Essen repliziert („künstliches“ Fleisch aus dem Labor), personalisierte Medikamente, das Holo-Deck…

Was können wir abseits von Technologie an Inspiration aus Star Trek abgreifen? Drei Gedanken möchte ich mit diesem Artikel kurz aufgreifen und – wer Lust hat – zur Diskussion stellen.

 

1. Commander Data – die wandelnde Mensch/Maschine-Schnittstelle mit Identifikationsproblemen

Der Android, der mit seinem technologischen Dasein hadert und gerne ein Mensch sein möchte. Die Aspekte, mit denen er am meisten hadert, sind Dinge, die Menschen sehr intuitiv tun und die wenig zielgerichtet sind: Ironie und Humor – das Gesicht verziehen, wenn man etwas Bitteres trinkt – das vorsichtige Berühren eines Gegenstandes mit melancholischen Gefühlen. Andererseits gibt es Stellen, wo die (menschliche) Crew ihn darum beneidet, seinen irgendwann entwickelten „Emotions-Chip“ abschalten zu können und in einer Krisensituation einfach keine Furcht mehr zu empfinden. Über den Verlauf der Serie und der Filme wird das Thema immer wieder aufgegriffen und entwickelt. Die Crew-Mitglieder versuchen, Data menschliches Verhalten zu erklären – zu erläutern, was eine Maschine tun müsste, um „menschlich“ zu werden. Dabei werden sie selbst oft genug mit der Frage konfrontiert, was Menschsein eigentlich ausmacht.

 

2. Die Rolle von Technik/Technologie im Leben der Menschen

Im Film „Resurrection“ gibt es eine Stelle, die wahrscheinlich beim Erscheinen des Films (1998) quasi jedem durchgerutscht ist. Die Star Trek Crew landet nach gewissen Turbulenzen auf einem Planeten und verstößt damit gegen die oberste Direktive, sich nicht in fremde Kulturen und deren Entwicklung einzumischen. Dort finden sie ein Volk vor, das dem ersten Anschein nach mittelalterlich lebt: Es wird in Wallekleidern aus dem Beige-Spektrum, mit handgeflochtenen Körben in der Hand, über knirschende Kieswege geschritten, Kinder spielen fröhlich auf grünen Wiesen miteinander. Wir würden uns die Frage „Gibt’s hier W-Lan?“ wahrscheinlich verkneifen, weil wir die Antwort eh schon ahnen würden. Doch Überraschung – zu einer technischen Fragestellung bekommt Jean-Luc Picard von Dorfbewohnern Folgendes mitgeteilt:

  • I think the captain finds it hard to believe that we’d have any skills repairing a positronic device…
  • Our technological abilities are not apparent because we have chosen not to employ them in our daily lives. We believe that when you create a machine to do the work of a man you take away something from the man.

Die Frage, wieviel „Unterstützung“ durch Maschinen sein kann/darf/soll und ob es nicht einen Punkt gibt, wo man dem Menschen etwas wegnimmt, ist brandaktuell. Welchen Wert hat Arbeit für den Menschen? Ist es noch Arbeit, wenn Menschen nur tun, wonach ihnen aktuell ist, weil für das Existieren anderweitig gesorgt wird? Gibt es „Arbeit“ dann überhaupt noch – ist Arbeit definiert als etwas, was man tut, weil man es muss anstatt es zu wollen? Das führt uns zu Punkt 3.

 

3. Sinn und Wesen von Arbeit

In einer Schlüsselszene aus „The First Contact“ (1996!) befinden wir uns im Jahr 2373. Es entwickelt sich eine Diskussion zwischen Jean-Luc Picard, Kapitän des Raumschiffs Enterprise, der im 24. Jahrhundert lebt, und Lily Sloane, einer "Besucherin aus der Vergangenheit". Lily Sloane bewundert das Raumschiff Enterprise und folgender Wortwechsel entsteht:

  • Lily Sloane: "How much did this thing cost?"
  • Jean-Luc Picard: "The economics of the future is somewhat different. You see... money doesn't exist in the 24th century.
  • Lily Sloane: "No money! You mean you don't get paid?"
  • Jean-Luc Picard: "The acquisition of wealth is no longer the driving force in our lives. We work to better ourselves and the rest of humanity."

Puh – was ein Brett… Wird da im Jahr 1996 – pardon, 2373! – etwa über das bedingungslose Grundeinkommen gesprochen, das eine völlige Veränderung unserer gesellschaftlichen Ordnung mit sich brächte? Oder über die Nicht-mehr-Notwendigkeit einer Ökonomie, weil alles dank technologischem Fortschritt schnell überall verfügbar ist, wo es gebraucht wird? Die Folge wären Menschen, die wahrscheinlich furchtbar unter Langeweile leiden würden und dann im besten Fall anfangen, sich etwas zu suchen – warum soll „better ourselves and the rest of humanity“ nicht das Ziel sein?

 

Live long and prosper!

Gudrun

 

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