Ambidextrie in Phrasen und Floskeln

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Das Ambidextriekonzept sieht aus wissenschaftlicher Sicht eine Menge Merkmale vor, die den Exploit- vom Explore-Modus unterscheiden. Die Marschrichtung des Exploit-Modus lässt sich gut mit „Erhalten des Bewährten“ gleichsetzen, der Explore-Modus ist mit „Erkunden von Neuem“ treffend beschrieben. Beide Modi haben ihre weltanschaulichen Setzungen, Instrumente und Werkzeuge, bevorzugte Handlungsroutinen und Grenzen. Wir bleiben dabei, dass jeder Modus wichtig und lebensnotwendig für das Bestehen des Unternehmens am Markt ist – die gesunde Balance aus beidem ist der Schlüssel zum Erfolg.

In diesem Beitrag will ich mich ein wenig mit der Frage beschäftigen, in welcher Verkleidung jeweils der eine oder andere Modus daherkommt. Dabei wird klar werden, dass viele Bullshit-Bingo-Floskeln in dem einen oder dem anderen Modus beheimatet sind.

Beginnen wir mit dem Exploit-Modus: Es ist jener Modus, in dem klare Hierarchien, eine strikte Arbeitsteilung und ein hoher Grad an Standardisierung und Formalisierung für eine zügige Abwicklung von Prozessen und meist auch für eine hohe Ergebnisqualität sorgen. Was hört man in diesem Kontext öfter mal über die Flure schallen?

  • Das haben wir schon immer so gemacht, das fassen wir nicht an.
  • Wir haben den Prozess doch erst umgestellt, warum stellen wir jetzt alles schon wieder in Frage?
  • Was bedeutet das in Zahlen?
  • Wer ist dafür zuständig? Alternativ: Dafür bin ich nicht zuständig
  • Ist der/die dafür qualifiziert?
  • Wie ist der Business Case dafür?

Im Explore-Modus befindet sich das Unternehmen in einer Such- und Ausprobierphase – neue Wege werden beschritten, Produkte entwickelt, getestet, verworfen, verbessert. Dieser Modus ist (in Reinkultur) deutlich seltener, deshalb gibt es auch weniger Bullshit-Bingo-Sätze dafür. Ein paar sehr typische Vertreter gibt es trotzdem:

  • Sind wir sicher, dass die Grundannahme xyz richtig ist?
  • Welche Gründe könnte es noch dafür geben, dass abc passiert ist?
  • Das ist jetzt nur eine Meinung, keine gesicherte Wahrheit.
  • Ich bin nicht der gleichen Ansicht, respektiere aber die andere Meinung.
  • Den Widerspruch können wir nicht auflösen, also lassen wir es vorläufig mal so stehen.
  • Ich bin nicht sicher, ob ich Recht habe, aber wir nehmen es jetzt mal an, damit wir weiterkommen.

Wie man sieht, orientiert sich einiges an der Kommunikation im Exploit-Modus am Erhalten und Bewahren des „Etablierten“. Der Explore-Modus fokussiert sich stärker auf das Austesten verschiedener Hypothesen und deren Bewertung. Wieder sind wir uns einig, dass es selten eine ganz reine Form des einen oder anderen Vertreters gibt – deshalb sind diese typischen Sätze nur als Hinweise und Denkanstöße gedacht, um zu bemerken, ob man sich gerade in einer exploit- oder einer explore-lastigen Umgebung befindet.

Take Away Messages:

  • Beide Modi, sowohl der Exploit- als auch der Explore-Modus, sind notwendig, um ein Unternehmen langfristig am Markt zu halten.
  • Jeder Modus hat im Laufe des „Unternehmenslebens“ bestimmte Aufgaben und eine fein justierte Balance beider Modi sichert das Bestehen ab.
  • Im Exploit-Modus sind viele Routinen darauf ausgerichtet, einen eingeschlagenen Weg/eine gewählte Methode zu erhalten. Die drückt sich natürlich auch in entsprechenden Aussagen aus.
  • Im Explore-Modus ist der Fokus auf das Austesten von Hypothesen gerichtet, was sich typischerweise in offenen Fragen niederschlägt.

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