Star Trek: Das Beam-Manifest

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Das Beam-Manifest

Oft wird ja gesagt, dass das Beamen wahrscheinlich eines der wenigen Elemente aus Star Trek ist, das nie Realität werden wird. Ich hätte da noch das Dingsbums, das auf den Schiffen die Schwerkraft herstellt, auf dem Zettel gehabt, aber nunja. Schlaue Köpfe sind sich einig, dass das Beamen per se kein physikalisches Gesetz verletzt, dass es aber dennoch teuflisch anspruchsvoll sein wird, das Beamen zum alltagsfähigen Transportmittel zu entwickeln. Experten gehen davon aus, dass die Vergabe der Beam-Lizenzen mehrere Verkehrsminister und ca. 3 Mio Dosen Aufputschgetränke kosten dürfte.

Beamen für die Umwelt

Beamen wäre angesichts der aktuellen Umweltdebatte eine feine Sache, weil es alle Transportmittel überflüssig machen würden: Zack, Familie Hallmackenreuter auf die Bahamas (die flippen aus vor Freude dort!) – zack, eine Tonne Tomaten aus Spanien auf die deutschen Hotelfrühstücksbuffets – krawumm, die ganze rotznasige 6b zum Landschulheim.

Es gab schon bei den ersten Fahrten mit der Eisenbahn Bedenken, wie der menschliche Körper diese irrsinnige Geschwindigkeit wegstecken würde. Zeitweise war – wohl auch ein wenig polemisch – von Risiken bei Reisen über 30 km/h die Rede! Da darf ruhig die Frage gestellt werden, was es mit dem Menschen machen würde, wenn er im Minutentakt an einem beliebigen anderen Ort Deutschlands/Europas/der Welt/des Alls auftauchen könnte. Denn machen wir uns nichts vor: Wenn es geht, wird es auch gemacht.

Wie sähe das Leben aus?

Wir würden ohne „Verteilzeit“ sehr viel effizienter werden. Wir würden nicht mehr auf Bus, Bahn oder Flieger warten müssen. Und wenn wir verabredet sind, der andere aber noch nicht daherkam, könnten wir uns schnell heim beamen und den Geschirrspüler ausräumen. Dann hat der/die andere sich hergebeamt und der Abend kann losgehen – während der/die andere auf der Toilette ist, könnten wir uns noch mal eine Minute nach Hause beamen und die Katze füttern, weil wir bei letzten Beamen vergessen haben.

Da wir noch nicht ganz genau wissen, ob unbegrenzt viele Menschen gleichzeitig beamen können, ist eine Begrenzung von Beamvorgängen pro Sekunde/Minute denkbar. Was ist, wenn Familie Hallmackenreuter dann in den Urlaub beamen will, aber das Töchterlein leider wegen Beamvorgang-Limitation nicht mitgebeamt wird und zuhause bleiben muss? Würde es „Beam-Dienstleister“ geben, die dafür sorgen, dass das Beamen kein schnöder Transportvorgang, sondern ein ganzheitlich angenehmes Erlebnis sein wird (man also z. B. nicht daran denkt, wenn man von den Bahamas zurück ins heimische Wuppertal beamt, dass man einen Pulli überziehen sollte). Ich reserviere mir schon mal vorsorglich www.beam4you.de.

Berufliche Reisen würden wegfallen. Termin beim Kunden: Schallala, da bin ich! Der weite Weg von der Marketing-Abteilung in die Buchhaltung – holla die Waldfee! Es würden aber auch die ganzen sonder- und wunderbaren Ereignisse wegfallen, die mit dem Reise verbunden sind: Spaßige Ansagen vom Kapitän oder dem Zugchef. In der Bahn zeitgleich zum „Lieblingsgast“-Schokolädchen auf dem Tisch greifen und dann ein Gespräch anfangen. Auf dem Bahnhof in Wolfsburg stehen und den eigenen ICE vorbeizischen sehen.

Fragementierung des Lebens

Ich denke, unser aller Leben würde sich noch stärker fragmentieren. Wir sind jetzt schon durch unsere Smartphones gedanklich ständig an vielen Orten gleichzeitig, was dazu führt, dass wir kaum mehr richtig da sind, wo wir physisch sind. Wenn dazu nun auch noch die körperliche Volatilität käme, könnte ich mir vorstellen, dass es trotz aller Vorteile dem Menschen nicht gut tun würde (obwohl da trefflich Evelyn Hamann zu zitieren ist: Es ist schon sehr bequem – gerade auf größeren Strecken).

Abschließend urteile ich: Das wird alles recht anstrengend. Deswegen habe ich für den Fall, dass Beamen der nächste Transporthype nach den E-Scootern wird, schon mal ein kleines Regelwerk erarbeitet:

§ 1: Beamen ist nur für Strecken länger als 1 km gestattet (man stelle sich mal vor, jemand beamt sich vor mich in die Schlage an der Supermarktkasse… geht gar nicht!).

§ 2: Die Wartefrist zwischen zwei Beam-Vorgängen beträgt mindestens 10 Minuten (Ausnahmeregelungen sind beim Ministerium für Transport und Digitales zu beantragen).

§ 3: Jedem stehen pro Tag 3 Beam-Vorgänge zu – Familien mit Kindern dürfen öfter, weil sich Kinder ab und zu einfach ne Murmel ins Ohr stecken oder den Daumen brechen.

§ 4: Notfallberufe dürfen während der Dienstzeit immer und überall und sooft sie wollen (Mediziner, Pflegepersonal, Feuerwehrleute, THW, Polizei, etc). Das gleiche könnte für Experten gelten, die es aufgrund ihrer Spezialisierung nur so ungefähr fünf Mal gibt auf der Welt und deren Wissen an vielen Stellen gebraucht wird.

§ 5: Die Beam-Gesetzgebung bestraft hart all jene, die das Beamen für unlautere Ziele verwenden, z. B. Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden. Hier ist ein Anti-Beam-Schutz zu erarbeiten, der sowohl das Hineinbeamen von unbefugten Personen als auch das Herausbeamen von entwendeten Gegenständen verhindert (die so genannte Zwei-Wege-Beamsicherung).

§ 6: Für die offenen Fragen sind Kennzahlen zu verwenden, für dessen Erarbeitung sich ein eifriger VDI-Arbeitskreis vordrängeln möge (bitte bei mir melden). Ein erster Anfang kam schon vom geschätzten Kollegen Christoph Frey, der eine Begrenzung von 0,25 Mensch/m³ vorschlug. Damit’s nicht zu voll wird.

Welche Regeln fallen Euch noch ein? Her damit. Wenn das Ding live geht, wollen wir ja gut vorbereitet sein!

Live long and prosper

Gudrun

PS: Was das alles mit dem Taxi-Gewerbe macht, habe ich mir noch nicht so richtig überlegt.

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