Zur Begrifflichkeit der „Lernenden Organisation“

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Im ersten Moment denkt man bei diesem Begriff wohl, dass das ja wohl nicht so schwer sein kann. Wozu dann ein ganzer Artikel dazu? Ich will ein wenig tiefer graben, als einfach nur zu sagen, dass das „halt Lernen im Unternehmen“ ist. Wer lernt, wann, und wie? Und warum? Und was eigentlich?

Schnorcheln wir mal durch die Literatur: Es gibt eine große Menge Modelle, die entweder Zeitabläufe linear einordnen (z. B. den Wissenskreislauf) oder die verschiedene Ebenen betrachten (individuelle Ebene, Gruppenebene, Organisationsebene). Um es ein wenig einfacher zu machen, berichte ich mal von drei Definitionen, die jeweils in ihrer „Intensität“ bezüglich Lernaktivitäten aufsteigen:

  • Zum einen kann es einfach eine Organisation sein, die lernt, sprich: deren Mitglieder wissen anhäufen. Jeder einzelne Lernt und weil er Mitglieder dieser Organisation ist, „lernt“ die Organisation halt notgedrungen mit.
  • Zum anderen gibt es eine Interpretation, die besagt, dass die Organisation als Konstrukt lernt. Da wird es schon etwas komplizierter, denn nun wird systemisch auf die Organisation geschaut. Die Organisation lernt dadurch, dass ihre Mitglieder miteinander interagieren, sich einbringen, ihr Wissen teilen und so auf neue Lösungen kommen können. Hier kann man die Redensart bemühen, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist.
  • In der stärksten Ausprägung ist eine lernende Organisation eine, die „Lernen“ als Selbstzweck hat. Alles andere wie z. B. wirtschaftlicher Erfolg, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation sind „Nebenprodukte“ und werden nachrangig betrachtet.

Je nachdem, welchem Modell man sich anschließen möchte, sind völlig verschiedene Dinge zu tun, um den Lernprozess im Unternehmen zu fördern. Im ersten Fall ist es ausreichend, Mitarbeitern regelmäßig Trainings und Weiterbildungen zu ermöglichen. Im zweiten Fall wird es schon schwieriger, denn auch wenn alle „Teile“ vorhanden sind: Wie, unter welchen Bedingungen und in welchem Rahmen wird denn aus dem Ganzen mehr als die Summe seiner Teile? Wie bekomme ich Mitarbeiter dazu, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, ihr Wissen zu teilen, die beste Lösung zu suchen? In der höchsten hier genannten Ausbaustufe versteht sich eine Organisation als Rahmen für Lernprozesse – die wichtigsten organisationalen Abläufe sind darauf ausgerichtet, Lernen zu ermöglichen und zu verstetigen. Lernen wird zum zentralen Prozess.

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