Unser digitaler Schre(i)bergarten

Die Schre(i)bergärtner

Worum es in diesem Blog gehen soll - und worum nicht. Welcher Sichtweise wir uns verpflichtet fühlen - und welcher nicht.

In diesem Blog soll es um den arbeitenden Menschen gehen. Klick für mehr -->

Das klingt nach wenig, ist aber viel. Es geht um den Menschen, der

  • sich seinen Lebensunterhalt verdient,
  • in seiner Arbeitsumgebung wirkt,
  • eine gute Idee nach vorne bringen will,
  • etwas leistet und dafür Wertschätzung haben möchte,
  • leidet oder zweifelt,
  • aus (Sach)Gründen zurückstecken muss,
  • sich entwickelt bzw. neue Perspektiven entwickelt,
  • er- oder entmutigt wird,
  • sich Dinge erarbeiten muss oder will,
  • andere führen muss,
  • mit Lustlosigkeit oder einer Sinnkrise umgehen muss,
  • um seine Position fürchtet,
  • Entscheidungen treffen, Sachverhalte bewerten und Entscheidungen rechtfertigen muss,
  • der scheitert oder frustriert ist,
  • sich über das Gelingen freut,
  • andere mitreißen oder demotivieren kann,
  • sich Freunde oder Feinde macht, und vor allem:
  • sich permanent verändern soll.
  • I could go on.

Abschied von der Wahrheit

Mit der Betrachtung des arbeitenden Menschen begeben wir uns auf ein Terrain, in dem es quasi keine Wahrheiten gibt. Deswegen wird in diesem Blog des Öfteren von „möglicherweise“ und „vielleicht“ die Rede sein. Damit schließen wir uns der Sichtweise an, dass sich in Bezug auf das Erkennen von Wahrheiten ein breiter Konsens dahingehend gebildet hat, dass dies schlicht nicht möglich ist. Ciompi (1997) bemerkt dazu, "dass nach mehr als zweitausend Jahren vergeblicher Suche nach einer zuverlässigen ontologischen Begründung unseres Wissens von der "Realität" oder "Wirklichkeit" heute der Anspruch auf die Erkenntnis von irgendwelchen absoluten Wahrheiten definitiv aufgegeben werden muss.“

Backhausen und Thommen nennen diesen "Abschied von der Wahrheit" die gravierendste Konsequenz einer veränderten Weltsicht. Sie stellen fest, dass ein Wahrheitsanspruch bisher "die zentrale Rechtfertigung für die Richtigkeit des Handelns" war und dass ohne diesen Anspruch "die Grenze zwischen einem Handeln nach vermeintlich objektivem Wissen und einem sich nur auf persönliche Vorlieben stützendem Verhalten" zu verschwimmen droht (Backhausen & Thommen, 2007).

Eine gravierende Konsequenz dieser Erkenntnis: Wenn man wegen zu hoher Komplexität nicht mehr davon sprechen kann, dass eine Sache/Annahme/ein Gedanke „wahr“ ist, fällt ein Legitimationsgrund für Handeln in Unternehmen weg (dies gilt beispielsweise auch und vorrangig für Führungshandeln). An deren Stelle tritt nun „zwangsläufig das 'joint venture' der gemeinsamen, sozial und kommunikativ erzeugten Wirklichkeitskonstruktion“ (Backhausen & Thommen, 2007), welche dann wiederum als Wahrheit angesehen wird, dabei aber stets zum Gegenstand fortgesetzter Neudeutungen und Neukonstruktionen wird.

Was hilft es dann überhaupt, einen Blog über den arbeitenden Menschen zu schreiben, über Führung, Motivation, über Leistung und soziales Miteinander?

Wir wollen in diesem Blog eben jenen Raum ausleuchten, in dem Neudeutungen und Neukonstruktionen stattfinden. Um es mit einem Bild zu sagen: Wir wissen, nach welchen Prinzipien eine Stadt aufgebaut ist, waren aber noch nicht in jeder. Wir können mit einiger (aber nicht mit absoluter) Sicherheit sagen, dass kleinere Städtchen keinen ICE-Bahnhof haben (Tutzing lässt grüßen) oder sich oft in den Zentren sowas wie Markplätze oder Hauptplätze befinden. Wir können davon ausgehen, dass es oft so etwas wie eine Shoppingmeile oder ein Kneipenviertel gibt. Wenn sich jemand verlaufen hat, können wir uns schnell orientieren oder der Person orientieren helfen (Kirchtürme helfen dabei). Aber es wäre wenig hilfreich, ihm zu sagen: Geh zur Stadtmitte, dann 200m in Richtung Stadttheater und dann scharf links, schon bist Du im Kneipenviertel. Das mag manchmal funktionieren (Freiburg lässt grüßen) – es auf andere Städte blind anzuwenden, klappt höchstens durch Zufall.

Übertragen auf die Arbeitswelt heißt das: Wir bieten in komplexen Systemen Hilfe zur Selbstdiagnose und wollen so wenig wie möglich „5 goldene Regeln zum…“ veröffentlichen – wissend, dass je nach Systemumgebung auch die bestgemeinten Regeln nicht funktionieren können. Wenn wir etwas in der Art veröffentlichen, dann mit dem Hinweis „möglicherweise“ – „bitte erst ausprobieren, nachdem man kritisch reflektiert hat, ob das passen könnte“ – es wird kein „todsicher“-Etikett dran baumeln. Wir wollen zum Nachdenken anregen, inspirieren und natürlich unterhalten, denn Humor hilft eigentlich gegen alles.

Also, was gibt’s hier? Es geht hier um den (arbeitenden) Menschen, der per se unlogisch, irrational, anstrengend und komplex ist. Wirft man viele von diesen Wesen auf einen Haufen und will auch noch, dass alle sich in eine gemeinsame Richtung bewegen, hat man unsere Arbeitswelt. Willkommen im Chaos.

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Von Gudrun Töpfer, (Kommentare: 0)

Bei Sven Becker zu Gast

Für diesmal haben wir uns die Themenblöcke Arbeitsplatzpsychologie und Weiterbildung vorgenommen - rausgekommen sind dann Gedanken zu Agilität, Ambidextrie, Lokführern als Beta-Tester und dem Layer-8-Problem.