Ambidextrie guckt auf Agilität und sagt…

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Die Agilität hat uns jetzt viele Monate lang durch die Gassen gejagt, uns verunsichert uns Angst gemacht. Jetzt lassen wir die Ambidextrie mal drauf schauen – vielleicht gibt’s ein wenig Unterstützung beim Herausfinden aus den Gassen.

Die erste Schwierigkeit fängt schon da an, wo eine Definition von Agilität fehlt. Es hat sich ein munteres Sammelsurium aus Grundannahmen, weltanschaulichen Setzungen, Forderungen und Postulaten, Werkzeugen, Beispielen und „Erkenntnissen“ gebildet, das wir erst einmal sortieren sollten: Unter Agilität verstehe ich jene Form der Arbeitsorganisation, die

  • nicht langfristiger Planung unterliegt, sondern in kurzen Entwicklungsetappen voranschreitet und dabei ständig evaluiert.
  • den Menschen und seine Talente und Fähigkeiten sowie seine Motivation in den Fokus rückt.
  • die nackte Zahl als einziges Kriterium zur Erfolgsmessung hinter sich gelassen hat.
  • langfristiges Wachstum und Entwicklung vor kurz gesprungene Ziele setzt.
  • schöner Scheitern zur Kunstform erhebt, um aus Fehlern zu lernen.

 

Aus Sicht der Ambidextrie ist die Agilität, wenn man so hart sein will, eins von zwei guten Dingen rausgepickt und bis zum Extrem getrieben: Der Explore-Modus als einer von zwei Modi im Konzept der Ambidextrie (Exploit ist der andere) befasst sich stark mit den Themen, die allenthalben als Kernthemen der Agilität angesehen werden. Worte, die man damit in Verbindung bringen könnten, sind z. B.:

  • testen, ausprobieren
  • erneuern
  • kreativ sein, innovativ sein

Diese durch und durch positiven Aspekte gehen jedoch mit einer Kehrseite einher, die vielleicht für den Hausgebrauch nicht so schwierig ist, für Firmen jedoch zum Problem werden kann. Denn oft geht mit einem offenen, freien, nicht vorstrukturierten Prozess auch einher, dass die Dinge chaotisch werden, ungeplant sind, spontan passieren, und am Ende unkontrolliert (weil unkontrollierbar) ablaufen. Wer an dieser Stelle die Quadratur des Kreises versuchen möchte, landet schnell bei interessanten Ereignissen wie „Spontaneität, immer donnerstags von 9-11“ oder „Das Managen von Kreativität – Workshop für Führungskräfte“.

Die in der Ambidextrie angelegte Dialektik zwischen Explore und Exploit findet sich darin wieder und es ist ureigenste Aufgabe eines Unternehmens (als abstraktes Gebilde), die ablaufenden Prozesse einem Ziel, nämlich dem Unternehmensziel unterzuordnen und so darauf hinzuarbeiten. Dieses „Unterordnen“ ist etwas, womit sich Agilität so gar nicht gut verträgt – und woraus jede Menge Spannungen entstehen. Deshalb antwortet die Ambidextrie der Agilität: Super, jetzt mach die zweite Hälfte bitte auch noch richtig.

Take Away Messages:

  • Agilität lässt sich unter bestimmten Gesichtspunkten mit dem Explore-Modus aus dem Konzept der Ambidextrie gleichsetzen.
  • In der Ambidextrie wird Agilität (bzw. bei Gleichsetzung: der Explore-Modus) als eine von zwei Modi angesehen.
  • Nötig für ein erfolgreiches Unternehmenshandeln sind langfristig beide Modi – somit deckt man mit Agilität (dem Explore-Modus) nur einen Teil ab.

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