Ambidextrie guckt auf Start Ups und sagt…

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Die Ambidextrie freut sich wie verrückt, denn StartUps sind per definitionem die Explorer in Reinkultur. Auch wenn sie den anderen Modus (Exploit) vernachlässigen: StartUps dürfen das, denn sie können gar nicht anders.

Werfen wir gleich mal alle Klischees auf den Tisch und schauen uns an, was in einem StartUp so los ist: Typischerweise schart sich um einen oft charmanten und charismatischen Gründer mit einer mehr oder minder zündenden Idee eine Gruppe aus Menschen, die von dieser Idee mehr oder minder überzeugt sind. Die ersten Zeiten in einem StartUp sind von Chaos geprägt: Täglich dringen (auch von außen) neue Informationen, Ideen oder Vorschläge zum Team, die aufgenommen, verwertet und bearbeitet werden müssen. Viele Dinge passieren irgendwann das erste Mal (oh Gott, ein Kunde hat eben angerufen!!!), so dass es wenig verwunderlich ist, dass es für die allermeisten Dinge keinen vordefinierten Prozess gab – klar, woher auch?

Es ist die Zeit, in der versucht wird, aus Ereignissen schnell zu lernen und es besser zu machen. Wenn man beim ersten Kundenanruf einen Glücks-Heulkrampf am Telefon bekommen hat, tut man gut daran, den Prozess zu ändern: In Zukunft nimmt also jemand das Telefonat entgegen, der ohne Weinen mit dem Kunden sprechen kann, ihm alle Fragen beantworten und vielleicht sogar ein gemeinsames weiteres Vorgehen vereinbaren kann. So ist ein StartUp im Großen und Ganzen mehrere Monate bis Jahre am Lernen und exploriert munter vor sich hin. Das Unternehmen lernt also nicht nur, Kundentelefonate zu meistern, sondern auch Angebote zu schreiben, ggf. Gespräche mit Investoren vorzubereiten und mit Kritik umzugehen und aus den Rückmeldungen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

In der aktuellen Debatte werden StartUps oft mit den viel zitierten „wendigen Speedbooten“ gleichgesetzt, die schnell und flexibel Geschwindigkeit und Ausrichtung ändern können. Ihnen werden große, etablierte und „eingefahrene“ Unternehmen, also große „Tanker“, entgegengesetzt, denen das Ändern des Kurses deutlich schwerer fällt. Diese StartUp-Kultur ist zur Begrifflichkeit geworden, die Innovation und damit Bestehen am Markt in Aussicht stellt. Somit stellt sich die Frage, wo die Grenzen dieses rein auf Exploration gerichteten Modus sind:

Ein kritischer Punkt ist dann erreicht, wenn jene Aspekte, die Standardisierung und Formalisierung erfordern, nicht erkannt werden. Wenn also jedes Mal jemand anderes ans Telefon geht und jedes Mal jedem Kunden etwas anderes erzählt. Wenn jedes Angebot völlig anders aussieht als das davor, andere Leistungen oder Produktmerkmale verspricht und das selbstverständlich auch zu anderen Konditionen.

Ein verwandter Aspekt liegt im Unternehmen selbst: Ist das Unternehmen erfolgreich, wird es in aller Regel wachsen und mehr Mitarbeiter beschäftigen. Was anfangs so mühelos ging, nämlich die direkte und persönliche Absprache zwischen allen Beteiligten, ist ab einer Unternehmensgröße von 10 Personen aufwärts immer schwerer möglich. Das Unternehmen muss früher oder später „zerfallen“ in kleinere Gruppen, die sich arbeitsteilig mit einzelnen Aufgaben befassen. Wenn ein Unternehmen sich dann nicht um die notwendigen Diskussionen um Zuständigkeiten, Aufgaben, Verantwortung und Schnittstellen kümmert, entsteht ein Vakuum, das das Fortbestehen des Unternehmens zu einem Zeitpunkt gefährdet, wo es eigentlich grade anfing, gut zu laufen.

Take Away Mesages:

  • StartUps sind aus Sicht der Ambidextrie Explorer in Reinkultur.
  • Das Explorieren ermöglicht einem Unternehmen, sich in kleinen Schleifen schnell zu entwickeln – der Gesamtprozess ist jedoch mühsam und langsam.
  • Der Explore-Modus, in dem StartUps sich befinden, hat eine natürliche Grenze da, wo das Unternehmen wächst und Standardisierung und Formalisierung irgendwie adressiert werden müssen.

Zurück

Die Sie auch interessieren könnten!

Weitere Artikel