Interview mit Thorsten Klinkner (UnternehmerKompositionen GmbH)

von Gudrun Töpfer (Kommentare: 0)

Irgendwann wollte ich es genauer wissen, und zwar von „ganz oben“, von der Eigentümerseite eines Unternehmens besehen, wie das so ist mit den Werten und dem „großen Ganzen“. Was wünschen die sich für ihr Unternehmen, das sie oft als Lebenswerk über viele Jahre aufgebaut haben? Was im Unternehmen soll die Zeit überdauern, auch wenn die Gründer selbst schon lange nicht mehr aktiv eingreifen können?

Das habe ich jemanden gefragt, der sich hauptberuflich mit genau dieser Fragestellung beschäftigt und – so viel Werbeblock darf sein – mir dabei seine Lösung für Eigentümer und ihre Familien erläutert hat, nämlich die Gründung einer Familienstiftung. Feuer frei und Vorhang auf für Thorsten Klinkner!

 

 

Was ist eine Familienstiftung?

Familienstiftung - nie gehört. Was stelle ich mir darunter am besten vor?

Bei einer sorgfältig gestalteten Familienstiftung als „Eigentümerin“ eines Unternehmens ist die wertschätzende und stabilisierende Unternehmenskultur auf Dauer gesichert, auch unter operativer Fremdführung. In einem gemeinsamen Prozess mit den Mitarbeitern können diese Unternehmenswerte erarbeitet und in der Stiftungssatzung verankert werden. Fürs Employer Branding ist das ein maßgeblicher Punkt.

Die Familienstiftung hat sich in Deutschland für strategisch denkende Mittelständler und vermögende Unternehmerfamilien längst zu einer interessanten Alternative zu anderen typischen Gesellschaftsformen zur Führung von Unternehmen und Vermögen entwickelt. Die Familienstiftung verhindert Zersplitterung, Angriffe gegen das Vermögen von innen und außen, bringt ertrag- und erbschaftsteuerliche Vorteile und erlaubt die Fortführung eines Unternehmens. Aber diese harten Fakten sind nicht immer die ausschlaggebenden Kriterien.

Familienstiftung und Unternehmenskultur

Familienstiftung - nie gehört. Was stelle ich mir darunter am besten vor?

Jetzt kommen weiche Themen ins Spiel?

Familienstiftungen stehen auch für die Etablierung und Sicherung einer ganz spezifischen Unternehmenskultur. „Die Unternehmenskultur beschreibt die Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, Handlungen und das Verhalten der Mitglieder einer Organisation prägen. Dazu zählt wie ein Unternehmen in der Rangfolge der Mitarbeiter aufgebaut ist sowie die Funktion und Wirkung der einzelnen Geschäftsebenen untereinander beziehungsweise mit dem Kunden“, lautet eine gängige Definition.

Welche „Kultur“ wollen die Unternehmen denn haben?

Die allermeisten Unternehmer eint ein Aspekt: Sie wollen eine wertebasierte Unternehmenskultur über die Jahrzehnte hinweg erhalten – auch weit nach dem eigenen Ausscheiden aus der Unternehmensführung und der Gesellschafterebene. Diese Verantwortung für die Mitarbeiter ist ein ebenso großer Antrieb wie der, die Familie versorgt zu wissen. Und gerade dieses Denkmuster macht manche Nachfolgeprozesse schwierig, denn unter fremdem Management ist die Kontinuität in Unternehmensführung, Unternehmenskultur und Werteorientierung häufig nicht hinreichend gesichert.

Lamborghini für den Zögling

Und das sichert man durch eine Stiftung? Ich stelle mir vor, dass der (plakativ: missratene) jüngste Sprößling da als erstes zugreift und sich aus dem Vermögen einen Lamborghini leisten will…

Die Familienstiftung ist ein Instrument, um den angestrebten Erhalt über die Generationen hinaus zu ermöglichen, auch unter operativer Fremdführung. Diese besondere Art der Stiftung übernimmt die Eigentümerschaft über ein Vermögen – zum Beispiel Unternehmensanteile – und sichert dieses innerhalb einer individuell stimmigen Struktur dauerhaft ab. Das Vermögen wird unter dem eigentümerlosen Dach der Familienstiftung verselbstständigt, denn eine Stiftung gehört nur sich selbst, an ihr bestehen keine vermögenswerten Mitgliedschafts- und Beteiligungsrechte. Dadurch kann ein einmal eingebrachtes Vermögen nicht zersplittert werden, indem Anteile herausgelöst oder gegen den Willen des Stifters verkauft werden. Außer, der Stifter hat dazu bestimmte Vorgaben in der Stiftungssatzung gemacht. Durch die Familienstiftung als neue Gesellschafterin schafft der Stifter-Unternehmer eine zukunftsorientierte Eigentümerstruktur, indem das Unternehmen von der Notwendigkeit eines persönlichen Gesellschafters befreit wird.

Also: Der Junior bekommt keinen Lamborghini, dafür geht’s im Unternehmen sortiert zu. Das ist für die Mitarbeiter dort ja bestimmt ein Pluspunkt (wenn‘s funktioniert)…

Klar, eine Familienstiftung fördert die Positionierung als guter Arbeitgeber. Das ist gerade hinsichtlich der Gewinnung und Bindung von gut ausgebildeten Mitarbeitern wichtig. Fachkräfte wollen in einer etablierten Kultur arbeiten und einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Geld ist längst nicht mehr der einzige Anreiz. Ein in eine Stiftung eingebrachtes Unternehmen steht für diesen Sinn und den langfristigen Aspekt und erreicht dadurch Vorteile bei potenziellen Bewerbern. Eine erfolgreiche unternehmerische Zukunft ist nur mit sehr guten Mitarbeitern möglich – dafür sorgt die Stiftung. Daher ist eine langfristig gesicherte Unternehmenskultur ein wichtiger Schritt hin zu einer positiven Wahrnehmung im Wettbewerb um die besten Talente, die sich ihren Arbeitgebern aufgrund ihrer Kompetenzen und des demografischen Wandels aussuchen können.

Wie gesagt, wenn’s klappt. Wie werden Werte, Prinzipien und Unternehmenskultur in einer unternehmensverbundenen Stiftung verankert? Ich rieche da schon wieder so etwas „Übergebratenes“, das nur auf dem Papier gut klingt…

Bitte nicht! Der Fokus liegt auf einem gemeinsamen Prozess mit den Mitarbeitern, der auf Mitwirkung aufbaut, sodass jeder seinen Beitrag leisten kann und sich daher zugehörig fühlt. Die Ergebnisse werden dann in dem Beratungsprozess schrittweise verdichtet und mit Beispielen und Aktivitäten konkretisiert. Auf diese Weise kann jeder Beteiligte „etwas damit anfangen“. Schließlich wird dieses Wertegerüst in die Präambel der Stiftungssatzung aufgenommen. Das folgt dem Ansatz: Zur Errichtung einer Familienstiftung ist eine Stiftungsverfassung zu entwickeln, die die individuellen Vorstellungen des jeweiligen Stifters zum Ausdruck bringt. Eine solche Stiftungsverfassung einer Familienstiftung besteht aus dem sogenannten Stiftungsgeschäft, durch das der Wille des Stifters, ein bestimmtes Vermögen der Familienstiftung zu widmen, in Erscheinung tritt sowie eben der Stiftungssatzung. Die Präambel ist die DNA der Satzung, sie ist unveränderlich und kann sich in der Folge zum Maßstab für alle Gesellschaftsverträge im Unternehmen und in den Arbeitsverträgen entwickeln. Die definierten und verankerten Werte sind keine Lippenbekenntnisse, sondern konkreter Entscheidungsmaßstab.

Das klingt äußerst anstrengend. Es soll ja Unternehmen/Unternehmer geben, die nicht einmal 4 Stunden Zeit für die brennenden Themen haben (ich sag nur DSGVO)…

Ja! Dieses Projekt braucht Zeit, und die Dauer richtet sich nach dem Prozess – es dauert eben so lange, wie es dauert! Ein Fehler wäre ein typischer, betriebswirtschaftlich induzierter Projektplan nach dem Motto: Planung, Umsetzung, Controlling, Bewertung – und das am besten innerhalb kurzer Zeit. In bestimmten Projekten kann dieser Prozess mehrere Jahre dauern.

Eckdaten zu Thorsten Klinkner

Rechtsanwalt und Steuerberater Thorsten Klinkner führt die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft UnternehmerKompositionen GmbH aus Meerbusch bei Düsseldorf. Sie ist etablierter Spezialdienstleister für die rechtlich, steuerlich und strategisch tragfähige Errichtung von Familienstiftungen als Instrument einer zukunftsorientierten Eigentümerstruktur und zu 100 Prozent auf die Entwicklung von langfristigen Stiftungs-Strategien für Familienunternehmen und professionelle Immobilieninvestoren im deutschsprachigen Raum spezialisiert. Thorsten Klinkner kooperiert auch mit anderen Berufsträgern, unabhängigen Vermögensverwaltern und Family Offices. www.unternehmerkompositionen.de

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