Warum Ambidextrie?

Bewahren und Erkunden im Gleichgewicht

Ambidextrie meint das für Unternehmen notwendige Gleichgewicht zwischen dem Erhalten des Bewährten und dem Erkunden neuer Wege – zwei eigentlich widersprüchliche Abläufe.

Lange Zeit war es möglich, sich vor allem auf das Bewahren (Produkt nach Plan herstellen, Prozesse optimieren, Produkt vertreiben) zu konzentrieren und das Erkunden (also Erarbeiten neuer Produkte und Dienstleistungen) nur zeitlich begrenzt  in den Vordergrund zu stellen – nämlich so lange, bis ein neues Produkt „erfunden“ war.

Technische und gesellschaftliche Veränderungen (Digitalisierung, VUCA, KI, New Work, etc.) verändern die Welt: Die Produktzyklen sind kürzer geworden und Unternehmen müssen Prinzipien von Bewahren und Erkunden parallel verfolgen, um am Markt dauerhaft bestehen zu können.

 

Bewahren, worin wir gut sind und darin stets besser werden

Neue Wege erkunden, mit denen wir uns an die Veränderungen der Welt anpassen

Problematisch an diesen beiden Modi ist, dass sie widersprüchlichen Gesetzen folgen und so zu Entscheidungs- und Handlungsunfähigkeit führen.

Modus des Bewahrens

  • Halte Dich an die Vorschriften!
  • Sichere Deine Expertenposition und sammle Wissen!
  • Entscheide nichts ohne Deinen Chef!
  • Checke regelmäßig, ob der jemand einen Fehler gemacht hat.
  • Gib Wissen nicht preis.
  • Mach bloß keinen Fehler, und wenn, lass Dich nicht erwischen.
  • Erreiche Dein Ziel, koste es, was es wolle.
  • Was mir nicht direkt beim Erledigen meiner Aufgaben hilft, muss ich nicht wissen.
  • Such nach der Wahrheit.
  • Such nach dem Schuldigen!

Modus des Erkundens

  • Es gibt keine Regeln? Denk dir was aus!
  • Teil Dein Wissen, andere profitieren davon!
  • Lerne ständig dazu, Du bist nie fertig!
  • Konstruiere neue Erkenntnisse!
  • Wir sind ein Team und kommen nur gemeinsam ins Ziel!
  • Lerne aus Fehlern und teile die Erkenntnisse mit anderen!
  • Sag gleich offen, wenn ein Fehler passiert ist!
  • Achte auf die Team-Ziele!
  • Lass Widersprüche zu!
  • Suche unabhängig von Hierarchie oder Status den/die Beste/n für die Aufgabe

Arbeiten nach dem Ambidextrie-Konzept ermöglicht

  • die Auflösug von Paradoxien,
  • Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit in komplexen Zeiten,
  • unabhängig vom Thema, der Ausrichtung, Trends und technischen Einflussfaktoren
  • für jede Ebene (Entscheider/Team/Individual) und
  • für jeden Zeitrahmen (kurz/mittel/langfristig)
  • die Einbindung vorhandener Instrumente und deren Einsatz nach Zweckmäßigkeit

Audit

Im Ambidextrie-Audit nehmen wir auf, wo in Ihrem Unternehmen eher bewahrend und wo erkundend gearbeitet wird (Ist-Erhebung) und vergleichen diese Infos mit einem für den Bereich sinnvollen Vorgehen (Soll-Erhebung).

Diese Daten können wir auf Wunsch durch Fokusgruppen-Interviews oder durch eine statistische Erhebung mit dem ChirasIndex ermitteln- auch eine Kombination ist möglich.

Beratungsablauf

Planung

  • Ambidextrie-Workshop für Entscheider: Warum befassen wir uns damit und was können wir mit Ambidextrie erreichen?
  • Planung des Zeitverlaufs für die Erhebung
  • bei Einsatz von ChirasIndex: Zuschnitt von sinnvollen Gruppen und Funktionen

Vorab­kommuni­kation

  • Planung der Kommunikation in die Mitarbeiterschaft
  • Motivation: Beteiligung an strategischer Ausrichtung des Unternehmens
  • Unterstützung durch Kommunikationsvorlagen, in denen Ziel und Vorgehen erläutert werden

Analyse

  • Durchführung von strukturierten Analyse-Workshops
  • bei Einsatz von ChirasIndex: ca. 25 Minuten Bearbeitungszeit
  • Auswertung

Aus­wertung

  • Aufbereitung und Präsentation der Ergebnisse
  • Vorschlag für mögliche Priorisierung
  • Detaillierung in gemeinsamem Workshop

Erfolgs­über­prüfung

  • Wiederholte Ist-Analyse
  • Bewertung der Maßnahmen
  • ggf. Nachsteuerung

Ergebnis

In der Auswertung stellen wir Ihnen grafisch (bei Einsatz von ChirasIndex: mit statistischen Kennzahlen) dar, wie stark bewahrend oder erkundend in den jeweiligen Unternehmensbereichen gearbeitet wird (Ist-Analyse) und ob dies einem sinnvollen Vorgehen für das Unternehmen entspricht (Soll-Analyse).

  • In der Auswertung kann sowohl zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen (Abteilungen, Teams) wie auch zwischen unterschiedlichen Funktionsgruppen (Führungskräfte, Projektleiter, Werker) unterschieden werden.
  • Im Rahmen einer individuellen Vereinbarung erlaubt die Erhebung geeigneter soziodemografischer Merkmale wie z. B. Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen, Berufserfahrung, etc. weitere Erkenntnisse.
  • Mit einer erneuten Überprüfung kann der Erfolg einzelner Maßnahmen erhoben und ggf. nachgesteuert werden.

Ergebnis der Ist-Analyse

 

Ergebnis der Soll-Analyse

 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der ChirasIndex basiert auf dem wissenschaftlich etablierten Konzept der organisationalen Ambidextrie („Beidhändigkeit“, Duncan 1976). Die beiden „Hände“ heißen Exploit- und Explore-Modus. Im Exploit-Modus liegt der Fokus auf dem Bewahren und Optimieren des Vorhandenen. Im Explore-Modus liegt der Fokus auf dem Erkunden neuer Optionen und Möglichkeiten. Üblicherweise tendieren länger bestehende Unternehmen eher zum Exploit-Modus, Start-Ups laufen eher im Explore-Modus (Exploration/Exploitation-Trade-Off, March, 1991).

Um in der Komplexität der heutigen Zeit zu bestehen, ist ein Gleichgewicht beider Modi nötig (Dixon, Meyer & Day, 2007; He & Wong, 2004; Lavie, Stettner & Tushman, 2010; Raisch, Birkinshaw, Probst & Tushman, 2009), wobei die Schwierigkeit für Unternehmen darin besteht, beide Modi in annähernd gleicher Intensität zu verfolgen (Argyris, 1977; Auh & Menguc, 2005; Benner & Tushman, 2003; Bierly et al., 2009; Brady, 2004; Burpitt, 2009; Crossan et al., 1999; Kauppila, 2010; Kim & Rhee, 2009), denn: Beide Modi sind gegensätzlich angelegt in ihren Voraussetzungen, Grundannahmen, Werkzeugen und Zielsetzungen (March, 1991). Dies ist auch der Grund, warum Unternehmen sich mit einer Balance so schwertun - darüber hinaus ist ein "Richtungswechsel" füreine ganze Organisation ein schwieriges Unterfangen.

Beispiel:

Im Explore-Umfeld wird ausprobiert, getüftelt, geprobt, getestet, verworfen, neu ausprobiert – Fehler sind ein völlig normaler Teil des Prozesses und die Kunst ist, aus jedem Fehler zu lernen. Eine Führungskraft tut gut daran, Fehler nicht zu verdammen, sondern möglichst konstruktiv und offen zu besprechen.

In einer Exploit-Umgebung (wie sie z. B. eine Fertigungsstrecke ist, ist die Lösung – nämlich die annähernd optimale Gestaltung der Abläufe und Prozesse – schon gefunden. Ein Fehler ist eine Abweichung von diesem Ablauf, er kostet Zeit und Geld und ist zu vermeiden. Eine Führungskraft hat in diesem Fall die Aufgabe, die Ursache für den Fehler möglichst schnell zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass er nicht mehr auftritt.

Der ChirasIndex wurde auf der Basis eines Konzepts aus der Organisationspsychologie entwickelt (Dissertation, Töpfer, 2019, i. Dr.) und anschließend im Rahmen eines mehrstufigen Verfahrens verfeinert und in Hinblick auf statistische Gütekriterien optimiert.